Kurz vor der Geburt
Baby Schwangerschaft

Das lange Warten hat endlich ein Ende

Seit Ostern stand ich in den Startlöchern. Alle Vorzeichen standen auf Geburt. Ich freute mich riesig auf mein Märzbaby… aber auch der 31. März 2016 verstrich, ohne, dass ich Wehen bekam. Ich war so fest davon überzeugt gewesen, dass die kleine Maus vor Termin auf die Welt kam, ihr könnt euch meine Enttäuschung gar nicht vorstellen, dass sich einfach nichts tat. Auch der erste, zweite und dritte April verstrichen. Meine Ungeduld und ein damit verbundenes Unwohlsein machten sich in mir breit. Ich lief mit meiner Mutter spazieren, die Seit Ostern bei uns war, um mich in der Anfangszeit zu unterstützen, ich badete viel, aß scharfes Essen und machte alles, was man so tun soll, um die Wehentätigkeit zu fördern. Leider vollkommen ohne Wirkung. Am 7. April  hatte ich wieder einen Kontrolltermin im Krankenhaus. Ich war nun eine Woche über Zeit und signalisierte der Ärztin und auch der Hebamme, dass ich nun gerne einleiten lassen würde. Meine Schwangerschaft verlief ja wirklich problemlos, aber das mit dem dicken Bauch hat mir einfach keinen richtigen Spaß gemacht. Und in Woche 41 ist man einfach unfassbar dick.

Mein Mann und ich wurden also über das Procedere der Einleitung informiert und für den nächsten Morgen (Freitag 8.4.) um 7.00 Uhr ins Krankenhaus bestellt. Meine Mutter war bereits seit zwei Wochen bei uns und auch meine Schwester und mein Schwager waren an gerade jenem Donnerstag in Berlin eingetroffen, um uns zu unterstützen. So gegen 8.30 spürte ich die erste Wehe, dachte mir dabei aber noch nichts. Ziehen und einfach mal einen Phantomschmerz hatte ich immer mal wieder. Und eigentlich war ja alles für den nächsten Morgen geklärt, ich versuchte also erstmal nicht an den Schmerz zu denken und ganz ruhig zu bleiben. Nach 30 Minuten hatte ich die nächste Wehe. Erzählte aber noch niemand etwas und beschloss nach dem Abendessen erstmal zu Duschen und mir die Haare zu waschen. Die Abstände zwischen den Wehen kamen jetzt alle 20 Minuten. Ich zog aber tatsächlich nochmal meinen Schlafanzug an und legte mich ins Bett, dort gestand ich dann meiner Mutter und meiner Schwester, dass ich wohl Wehen hätte… meine Mutter massierte mir daraufhin noch ein wenig das Becken und ich versuchte noch ein wenig Kraft zu sammeln. Nach einem langen anstrengenden Tag wollte ich eigentlich nicht in die Wehen starten. Zwanzig nach 10 aber ließ es sich nicht mehr verheimlichen, die Wehen kamen jetzt immer häufiger. Ich sagte meinem Mann, dass er jetzt auch mal bitte duschen gehen solle. Das war unser geheimes Codewort gewesen und da er vorher gar nichts von meinen Wehen mitbekommen hatte, war er sehr erstaunt und dachte zunächst ich scherze. „Nein wirklich, geh jetzt duschen! JETZT!“ – Machte er dann auch. Halb 12 standen wir bereit um ins Krankenhaus zu gehen. Ja richtig, zu gehen. Das Krankenhaus liegt genau 400 Meter von unserer Haustür entfernt und ich hatte mir fest vorgenommen zu laufen. Das klappte auch sehr gut. Wir waren euphorisch und die frische Aprilnacht machte mich wach und ließ die Anstrengungen der Wehen ein bisschen vergessen. Zu dem Zeitpunkt war Stehen auch noch das Angenehmste.

Kurz nach Mitternacht kamen wir im Krankenhaus an. Die Hebamme, die uns dort empfing schloss mich erst einmal an das CTG an und als sie die Wehentätigkeit sah, meinte sie, sie würde uns nicht wieder nachhause schicken, aber wir sollen noch mal versuchen eine Stunde Spazieren zu gehen. Wir gingen also nochmal vor die Tür und wanderten auf dem Parkplatz des Krankenhauses hin und her. Immer schön die Wehen veratmend. Trotz der frischen Luft wurde ich aber ziemlich schnell müde und schaffte es daher nur rund eine halbe Stunde so hin und her zu laufen. Wieder zurück im Kreissaal wurde uns ein Kreissaal zugeteilt und ich durfte mir so ein schickes Krankenhausnachthemd überziehen. Zu dem Zeitpunkt fingen die Wehen für mich schon an sehr unangenehm zu werden, so als würde ich meine Periode bekommen, so doll tat das nämlich bei mir immer weh. Allerdings nehme ich dann auch regelmäßig Schmerzmittel, das kam für die Wehen nicht in Frage. Also veratmete ich und veratmete ich Wehe um Wehe, wurde dabei aber immer müder und wartete auf sowas wie Wehenpausen, um einfach mal die Augen zu machen zu können. Leider passierte eigentlich genau das Gegenteil. Vor lauter Müdigkeit verkrampfte ich immer mehr und so war ich trotz Lachgas und Badewanne irgendwann in einem ziemlichen Wehenkrampf. Ich war bereit mit 2cm offenem Muttermund ins Krankenhaus gekommen, trotz der starken Wehen tat sich in der Richtung aber kaum noch etwas und ungefähr um 6 Uhr morgens war ich ziemlich fertig mit allem. Ich war müde, krampfte, hatte keine Kraft mehr und das Baby war noch überhaupt nicht in Sicht. Leider war die Nachthebamme überhaupt keine Hilfe. Ich haderte mit mir, eigentlich wollte ich keine PDA, das war meine vorherige Entscheidung aus Angst, aber ich war am Ende meiner Kraft. Ich hätte mir gewünscht, dass die Hebamme weniger auf ihren Feierabend bedacht gewesen wäre und mir und meinem Mann etwas mehr bei der Entscheidungsfindung geholfen hätte. Das überließ sie aber ehr der darauf folgenden Hebamme. Zum Glück, muss ich sagen, kannte ich die Chefhebamme der Station, die um 7 Uhr auch Dienstantritt hatte. Sie bestätigte mein Gefühl, dass ich ohne eine PDA mich ziemlich quälen würde,  auch würde der Prozess vermutlich ziemlich lange dauern, denn meine Wehen ließen bereits wieder nach. Mein Körper hatte keine Kraft mehr. Also entschloss ich mich, gerade noch rechtzeitig, wie sich später rausstellen würde, für eine PDA.

Durch die nun im 2 Minuten Abstand auftretenden Wehen, ließ sich die PDA nämlich nicht mehr so leicht setzen. Zweimal verfehlte der Arzt die richtige Stelle und die Nervosität stiegt. Als das Mittel dann endlich wirkte, war das Erholung pur und ich schlief vollkommen erschöpft ein, nicht lang, aber einfach mal ein Powernap nach über 24 Stunden auf den Beinen war schon ausreichend, um Kraft zu sammeln für alles was da noch kommen sollte. Ich arbeitete also die kommenden Stunden schön mit dem Wehen mit, soweit ich sie spürte und konnte trotzdem etwas aus dem Krampf heraus kommen. Gegen 12 Uhr war dann der Muttermund endlich voll geöffnet und die Fruchtblase platzte. Eigentlich war die Erwartung meines Mannes und mir, das es dann gleich rund gehen würde und wir das Baby in den Armen halten würden. Haste gedacht…. Die Hebamme Theresa, die uns durch den Tag begleitete, war ein richtiger Engel. Ohne sie hätte ich diesen Freitag im Krankenhaus vermutlich nur halb so positiv in Erinnerung behalten.

Ich bekam noch einmal eine Verlängerung der PDA und gleichzeitig kam ich an den Wehentropf, denn die Wehen hatten jetzt weiter nachgelassen. Leider dauerte es nun doch noch fast 2 Stunden, bis sich das Kind durch den Geburtskanal durchgearbeitet hatte. Die PDA konnte dann auch nicht mehr nachgespritzt werden…. Mist… und gegen 14 Uhr dann bekam ich auch die volle Power des Wehentropfes und der Wehen wieder mit. Die Stunde, bis das Kind dann auf der Welt war, ist für mich nur noch schwer rekonstruierbar. Ich presste und presste und presste, aber leider tat sich nicht viel. Das Kind hatte sich noch mal versucht zu drehen und den Kopf angehoben, ehr problematisch. Irgendwann waren zwei Hebammen und der Oberarzt bei mir, um mich beim Pressen zu unterstützten. Mein Mann hinter mir, meinen Kopf stützend. Was soll ich sagen, ich hatte einfach nicht mehr viel Kraft und in den letzten Minuten, bevor das Kind da war, auch das Gefühl keine Luft mehr bekommen zu können. Auch das Angebot, den Kopf des Kindes ertasten zu können, lehnte ich ab, ich wollte einfach endlich mein Baby und dass diese Anstrengung Zuende ist.

Ich werde den Moment nie vergessen, als mein kleines Mädchen endlich das Licht der Welt erblickte. 15:54 Uhr. Diese unfassbare körperliche Erleichterung, im wahrsten Sinne des Wortes, ist ein unbeschreibliches Gefühl. Der wahnsinnig tollen Arbeit von Frau Klöber und Hebamme Theresa habe ich es zu verdanken, dass mir Zange oder Saugglocke oder Kaiserschnitt erspart geblieben sind und ich trotz Strapazen eine normale Geburt haben konnte. Mein Mann empfand die Geburt als unvorstellbar schlimm, ich selbst würde im Nachhinein sagen, ich habe es mir leichter vorgestellt, weil alle Vorzeichen so gut standen, aber ich kann es nachvollziehen, dass mein Körper einfach nicht genug Energie hatte, um das geordnet durchzuziehen. Wenn ich gewusste hätte, dass abends meine Wehen einsetzen würden, hätte ich natürlich auch den Nachmittag über geschlafen, anstatt spazieren zugehen, aber hätte hätte Fahrradkette, richtig?

Ich hatte einen kleinen Dammriss und einen unfassbaren Bluterguss irgendwo im Po Bereich, diese beiden Dinge machten mir nach der Geburt noch fast 4 Wochen richtig zu schaffen. Man hat das Gefühl, man wird nie wieder normal laufen oder auf Toilette gehen können, aber ich würde dieses Wunder trotzdem gerne mindestens noch einmal erleben. In der Hoffnung, dass es dann ein bisschen leichter und vor allem schneller geht.

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